Jonas Breitkopf stürmte mit persönlicher Bestzeit ins 200-m-Finale und traf dort auf ausnahmslos ältere Asse. Foto: SCP/Austermann

Preußen-Athleten als Youngsters bei der DM in der deutschen Spitze

Als jeweils jüngste Starter im Feld machten sowohl Tabea Christ (Jahrgang ’98) im Weitsprung als auch Jonas Breitkopf (Jg. ’97) vom SC Preußen 06 e.V. Münster in Erfurt von sich reden. Bei den 117. Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten unterstrichen auch weitere Starter aus dem Adlerclub ihr Potenzial und schürten Zuversicht für die Zukunft.

Im Steigerwaldstadion verfolgten insgesamt 25.900 Zuschauer zehn Jahre nach der letzten DM in Thüringens Hauptstadt diesen Jahreshöhepunkt hierzulande. Die Athleten, die vor der stimmungsvollen Kulisse ihre Premiere unter Deutschlands besten Aktiven feierten, mussten mit der Atmosphäre und den Anforderungen erst einmal klar kommen. Wie immer gilt diesbezüglich: Je mehr Wettbewerbe dieser Art absolviert werden, desto mehr Routine hält Einzug.

Mithin haben diese Preußen alles richtig gemacht. Tabea Christ packte in ihrem persönlichen „Dreikampf“ die 100 m bei Gegenwind in starken 11,99 Sekunden und wurde Gesamt-18. Im illustren Feld – als Fachfrau für den Weitsprung. Und in dieser Disziplin schaffte die für die EM der unter 23-Jährigen qualifizierte Studentin mit 6,17 m Platz sieben gegen ausnahmslos Ältere. „Tabea musste das Drumherum erst einmal verkraften und sprang nur wenige Zentimeter unter Wert“, beschrieb Preußentrainer Frank Bartschat, der gemeinsam mit Elke Bartschat vor Ort die Preußengruppe coachte. Außer der EM in Italien steht für Tabea Christ noch die Deutsche Meisterschaft in der U-20-Altersgruppe Anfang August auf dem Plan.

Jonas Breitkopf verblüffte sich selbst und die Konkurrenz mit einer 200-m-Vorlaufzeit von 20,95 Sekunden. So schnell war er nie zuvor in seiner Karriere. Als Zweiter seines Vorlaufs hängte er namhafte Gegner ab und gelangte als Achtbester der von 22 Läufern in Angriff genommenen Qualifikationen in den Endlauf. Hier musste er die Bahn eins nehmen, also die mit dem engsten Radius überhaupt, und finishte als Jüngster in 21,24 Sekunden auf Platz acht.

„Im Vorlauf hätte er nicht perfekter unterwegs sein können“, lobte Frank Bartschat den konstanten FH-Studenten, der „in eine neue Dimension“ gelaufen sei. Diese Zeit hätte, wäre sie vor Wochen erzielt worden, die Teilnahme an der Universiade der Studierenden und an der U-23-DM ermöglicht. „Dass Jonas in diesem Sommer so weit kommt, war nicht absehbar“, sagte der Trainer. Die Sicherheit, attackieren zu können, kam mit der Zeit. Und die technischen Umstellungen sowie die konsequente Stabilisierung der Rumpfmuskulatur waren weitere Fakoren für den unerwarteten Erfolg.

Mit einer Saisonbestleistung wartete auch Judith Wessling (Jg. ’97) auf, die über 400 m Hürden in 1:01,42 Minuten im Ziel war und als Fünfte ihres Vorlaufs Gesamt-Neunte in der Qualifikation wurde. „Ihre fehlte die Winzigkeit von 0,22 Sekunden zum Finale“, sagte Frank Bartschat, der die Athletin mutig gen Hürde sprinten sah. Dass Judith Wessling zu den fix reagierenden Starterinnen zählt, wurde erneut dokumentiert. In ihrem Vorlauf hatte keine andere eine so kurze Reaktionszeit wie sie zu bieten.

Zur Saisonbestleistung des 4×400-m-Quartetts trug Wessling als Startläuferin bei: Gemeinsam mit Maren Silies, die sich studienbedingt mit rund 50 Prozent ihrer früher üblichen Trainingsumfänge bescheiden muss, Frieda Breitkopf und Luisa Bodem (Jg. ’93) jubelte sie nach 3:46,76 Minuten und DM-Achter. Mit Pech verspielte die 4×100-m-Gruppe der Preußen eine bessere Platzierung. Tabea Christ, Imke Daalmann (Jg. ’99), Frieda Breitkopf – als Starterin aus dem Jahrgang 2000 altersmäßig allein auf weiter Flur – und Luisa Bodem unterlief eine Ungenauigkeit beim Wechsel, der eine Sekunde kostete. Die Zeit von 46,63 Sekunden brachte Platz zwölf im 27 Staffeln starken Feld.

Text: Thomas Austermann

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