Übersicht:
Der SC Preußen 06 e.V. Münster ist ein Traditionsverein. Seit 1906 kämpfen die Preußen im Bereich Fußball um die Punkte. Hier ist alles von der Gründung bis zum 100-jährigen Jubliäum in Erfahrung zu bringen.
Als der SC noch der FC war
Alles begann mit einer Schülermannschaft. Am 30. April 1906 wurde der Münsteraner Traditionsverein als FC Preußen Münster durch Schüler des heutigen Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasiums gegründet. Erste Spielstätte war ein vom Militär bereitgestellter Exerzierplatz an der Loddenheide.
Am 8. August 1907 wurde der Verein in den Westdeutsche Spielverband aufgenommen. Ursprünglich beantragten die Preußen die Aufnahme in die höchste Spielklasse des Verbandes. Dies scheiterte jedoch am Einspruch des zwei Jahre zuvor gegründeten FC Münster 04. Also gingen die Preußen vorerst nur in der dritten Spielklasse auf Punktejagd. Bereits in seiner ersten Saison 1906/07 wurde der FC Preußen Münster Meister in seiner Spielklasse vor dem SC Preußen Hamm und der SuS Hamm. Trotz einer Endrundenniederlage (1:2) gegen den SV Gelsenkirchen-Heßler gelang der Aufstieg in die B-Klasse. Auch in der B-Klasse gelang der Durchmarsch. Im Entscheidungsspiel um die B-Meisterschaft gelang die Revanche gegen den SV Gelsenkirchen-Heßler welches die Preußen souverän mit 6:0 gewannen.
In der folgenden A-Klasse-Saison wurden die Jungs von der Loddenheide mit nur sieben Punkten aus 12 Spielen Tabellenletzter. Nur einer Neuaufteilung der Spielbezirke war es zu verdanken, dass man erstklassig blieb.
In der Saison 1913/14 wurden die Preußen erstmals Westfalenmeister vor dem 1. FC Arminia Bielefeld (heute DSC). Die Rivalität zum Club aus Ostwestfalen ist somit fast so alt wie der SC Preußen 06 e.V. Münster selbst.
Im Jahr 1916 folgte der Umzug des Vereins auf eine Kuhwiese an der Hammer Straße. Dort erlebte der FC Preußen Münster einen entscheidenden Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg.
1921 erfolgte dann die Umbenennung in SC Preußen Münster. Die Neuausrichtung als Sportclub war notwendig geworden da sich unter dem Dach des Vereins immer mehr Tennis- und Leichtathletikbegeisterte zusammenschlossen. Im selben Jahr wurde der SC erneut Westfalenmeister.
Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war der Umzug in das neue Stadion an der Hammer Landstraße, an der die Adlerträger noch heute ihre Heimspiele austragen. Pünktlich zum 20-jährigen Vereinsjubiläum wurde die neue Spielstätte am 13. Juni 1926 feierlich seiner Bestimmung übergeben.
Es folgten turbulente Jahre mit immer wieder neu zusammengestellten und umbenannten Ligen und den Wirren des Zweiten Weltkrieges.
Von 1933 bis 1936 und nochmals von 1938 bis 1941 gehörten die Preußen für insgesamt sechs Spielzeiten der Gauliga Westfalen an, der damals neben 15 anderen Gauligen höchsten deutschen Spielklasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich der Verein nach mehreren Abstiegen und Wiederaufstiegen ab Ende der 1940er Jahre endgültig in der damals erstklassigen Oberliga West etablieren und schließlich im Jahr 1951 den größten Triumph der Vereingeschichte feiern.
Deutscher Vizemeister 1951

Manchmal ist auch ein zweiter Platz eine Erinnerung wert. Erst recht dann, wenn es nie ganz zum ersten Platz gereicht hat. Ruhmreich war der SC Preußen 06 e.V. Münster 1951 allemal. Nach einer großartigen Saison in der alten Oberliga West schafften die Preußen erstmals den Einzug in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Lange führten die Adler in der Saison die Tabelle an, ließen aber am Ende die Schalker noch vorbeiziehen. Nur ein ganzes Pünktchen war der FC Schalke im Sommer 1951 besser als die Preußen, die aber wenigstens noch vor dem zweiten westfälischen Rivalen Borussia Dortmund ins Ziel gingen.
Als Zweiter qualifizierten sich die Adlerträger jedoch für die Endrunde, in der als Gegner der 1. FC Nürnberg, der Hamburger SV und TeBe Berlin warteten. In der zweiten Gruppe standen sich der FC Schalke, der FC St. Pauli, die SpVgg. Fürth und der 1. FC Kaiserslautern gegenüber.
Gleich im ersten Spiel ließen aber die Preußen aufhorchen: In der Nürnberger Noris siegten die Preußen beim süddeutschen Meister, dem Klub, mit 2:1! Das machte Lust auf mehr. Die Westfalen setzten ihren Erfolgskurs fort, im zweiten Spiel siegten die Münsteraner 3:1 gegen den Hamburger SV. Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schief gehen - doch im Fußball ist immer alles anders. Das Gastspiel der Berliner Tennis Borussia endete mit einer Enttäuschung für die Preußen. Mit 2:3 verlor der SC Preußen 06 e.V. Münster sein Heimspiel und ging im folgenden Rückspiel beim HSV glatt mit 1:5 unter.
Es zeichnete sich ein Zweikampf mit Nürnberg ab. Viel hing vom Auftritt der Nürnberger in Münster ab. Und endlich zeigte der SCP seine Gefährlichkeit wieder: 6:4 hieß es am Ende für die Preußen. Und nur noch ein letztes Spiel war zu absolvieren. Nürnberg und Münster waren punktgleich, beide mit 6:4 Punkten! Jedoch wies Nürnberg den bessern Torquotienten auf. Nur ein deutlich höherer Sieg der Preußen als Nürnberg würde den SCP noch ins Endspiel bringen. Und so geschah es: Während Nürnberg seine Aufgabe beim 4:1 gegen den HSV souverän löste, bangte der SCP in Berlin um seine Chancen. TeBe führte 2:0, alles schien verloren. Doch die Münsteraner lieferten eine zweite Halbzeit, die es im Fußball nur selten gab: Acht Treffer (!) erzielte der gefährlichste Angriff der Endrunde, das 8:2 sicherte den Preußen letztlich den hauchfeinen Vorsprung vor Nürnberg.
Abschlusstabellen der beiden Endrundengruppen
| Pl. | Mannschaft | Sp. | S | U | N | Tore | Quot. | Pkte. |
| 1. | 1. FC K'lautern | 6 | 4 | 1 | 1 | 14:8 | 1,75 | 9-3 |
| 2. | FC Schalke 04 | 6 | 3 | 1 | 2 | 7:6 | 1,17 | 7-5 |
| 3. | SpVgg Fürth | 6 | 1 | 2 | 3 | 8:9 | 0,89 | 4-8 |
| 4. | FC St. Pauli | 6 | 2 | 0 | 4 | 6:12 | 0,50 | 4-8 |
| Pl. | Mannschaft | Sp. | S | U | N | Tore | Quot. | Pkte. |
| 1. | SC Preußen | 6 | 4 | 0 | 2 | 22:16 | 1,38 | 8-4 |
| 2. | 1. FC Nürnberg | 6 | 4 | 0 | 2 | 17:13 | 1,31 | 8-4 |
| 3. | Hamburger SV | 6 | 3 | 0 | 3 | 12:12 | 1,00 | 6-6 |
| 4. | TeBe Berlin | 6 | 1 | 0 | 5 | 10:20 | 0,50 | 2-10 |
Münster im Endspiel!
Dann, am 30. Juni 1951, der Tag des Endspiels. Im ausverkauften Berliner Olympiastadion, vor fast 100.000 Zuschauern, trafen die Preußen auf das Team der Lauterer um Otmar und Fritz Walter. Und zur Freude aller Preußen gingen die Adlerträger in der zweiten Halbzeit durch Fiffi Gerritzen mit 1:0 in Führung! Die Chancen waren da, aber Kaiserslautern schlug zurück: Zwei Tore der Pfälzer drehten das Spiel noch, die Preußen verloren 1:2, gewannen aber viele neue Fans und Freunde.
Der Empfang daheim in Westfalen geriet zum Triumphzug, verstopfte Straßen voller begeisterter Fans - und das alles für den Verlierer. Manchmal ist auch ein zweiter Platz eine Erinnerung wert...

Ausriss aus dem Sportmagazin vor dem Endspiel in Berlin
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Samstag 30.06.1951 1. FC Kaiserslautern 2:1 (0:0) SC Preußen
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Tore 0:1 Gerritzen (47.); 1:1 O. Walter (61.); 2:1 O. Walter (74.) |
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| Aufstellung Kaiserslautern
K. Adam - H. Rasch, W. Kohlmeyer, E. Liebrich, W. Liebrich, H. Jergens, H. Eckel, F. Walter, O. Walter, W. Baßler, B. Fuchs |
Aufstellung SC Preußen
O. Mierzowski - W. Lesch, A. Schulte, J. Rickmann, K. Pohnke, R. Lezgus, F. Gerritzen, A. Preißler, R. Schulz, S. Rachuba, J. Lammers |
Die Geburt der Fußball-Bundesliga 1963
Mag sein, dass die Preußen ihre ganz große Zeit aktuell hinter sich haben. Doch dass die Preußen eher erstklassig waren als der ruhmreiche FC Bayern, kann ihnen niemand nehmen...
1963 war es, der deutsche Fußball war in den Vorjahren international zurückgefallen. Als eines der letzten europäischen Länder raffte sich der DFB nach langen Beratschlagungen endlich auf, dem Fußball eine neue Struktur zu geben.
Eine eingleisige höchste Spielklasse wurde eingerichtet, Bundesliga sollte das Kind heißen. Die Qualifikation zur höchsten Spielklasse war eine schwierige Sache, erstmals wurde nicht nur der sportliche Erfolg gemessen, sondern auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bewerber.
Auf die endgültige Bekanntgabe der Mitglieder wurde mit Spannung gewartet. Dann war es soweit: Der SC Preußen war dabei!
Härtefälle gab es auch damals schon: Alemannia Aachen wurde zur Gründung übergangen, die Adlerträger erhielt aber die Zulassung (auch) aufgrund einer hervorragenden Saison 1962/1963. An dieser Stelle soll nicht vergessen sein, dass die Preußen damit schon früher erstklassig spielten als der FC Bayern München...
1. FC Köln
Meidericher SV
Eintracht Frankfurt
Borussia Dortmund
VfB Stuttgart
Hamburger SV
TSV 1860 München
FC Schalke 04
1. FC Nürnberg
Werder Bremen
Eintracht Braunschweig
1. FC Kaiserslautern
Karlsruher SC
Hertha BSC Berlin
SC Preußen 06 e.V. Münster
1. FC Saarbrücken
Mit großer Begeisterung fieberte die ganze Region auf den Start des neuen Profifußballs hin. Und als am ersten Spieltag der Hamburger SV mit Uwe Seeler seine Visitenkarte abgab, platzte das Stadion schon aus allen Nähten. Exakte Zuschauerzahlen existieren nicht, die Zahlen gehen von 30.000 bis 40.000 munter durcheinander. Genau hätte damals ohnehin niemand zählen können: Zuschauer drängten sich auf der Laufbahn, kletterten auf Bäume und Zäune. Der westfälische Nieselregen störte niemanden, zwischen den Schirmen hindurch war immer ein Stück Rasen zu erspähen. Hauptsache, dabei sein!
Dass der SC Preußen in Führung ging, war von den Fans fast schon erwartet worden. Und wenn nicht der HSV mit einer Menge Glück kurz vor Ende noch den 1:1-Ausgleich erzielt hätte, wäre der Klub von der Hammer Straße mit einem Sieg gestartet. Auch so verlief der Saisonstart erfolgreich... Zwar unterlagen die Adlerträger in Braunschweig knapp 0:1, holte aber danach Siege gegen Duisburg (4:2) und Stuttgart (4:2). Zwischendrin punkteten die Adler auch in Nürnberg und Kaiserslautern. Glänzend im Mittelfeld platziert, sah alles nach einer erfolgreichen Saison aus.
Verletzungspech und ein viel zu kleiner Kader sorgten für den Einbruch zur Saisonmitte. Vorbei war es mit preußischer Herrlichkeit: Eine Niederlagenserie trieb die Preußen Richtung Tabellenkeller, wo erst kurz vor Saisonende die Spannung noch einmal gewaltig stieg. Ein ganz enges Rennen war das gegen Hertha BSC Berlin - mit einem schalen Beigeschmack. Denn kurz vor Saisonende wurde bekannt, dass ein Spielervermittler von Hertha BSC mehrfach an Spieler der Preußen herangetreten war, um diese zu bestechen. Gleiches wurde bei einem weiteren Konkurrenten (Kaiserslautern) versucht. Der Skandal wurde öffentlich, der DFB ermittelte, stellte aber seine Nachforschungen ein. Eine aktive Beziehung zwischen dem Spielervermittler und Hertha BSC konnte nicht bewiesen werden. Der Beigeschmack einer verschobenen Schlussphase der Saison bleibt haften.
Der Abstieg am Ende, knapp hinter Hertha BSC Berlin, nur einen einzigen Punkt schlechter, hat vermutlich die Geschichte des SC Preußen 06 e.V. Münster entscheidend geprägt. Als einziges Gründungsmitglied spielten die Preußen anschließend nie wieder erstklassig. Doch der Stolz, die Bundesliga aus der Taufe gehoben zu haben, bleibt.
Abschlusstabelle der Bundesliga 63/64
| Platz | Verein | Spiele | G | U | N | Tore | Punkte |
| 1. | 1. FC Köln | 30 | 17 | 11 | 2 | 78:40 | 45-15 |
| 2. | Meidericher SV | 30 | 13 | 13 | 4 | 60:36 | 39-21 |
| 3. | Eintracht Frankfurt | 30 | 16 | 7 | 7 | 65:41 | 39-21 |
| 4. | Borussia Dortmund | 30 | 14 | 5 | 11 | 73:57 | 33-27 |
| 5. | VfB Stuttgart | 30 | 13 | 7 | 10 | 48:40 | 33-27 |
| 6. | Hamburger SV | 30 | 11 | 10 | 9 | 69:60 | 32-28 |
| 7. | TSV 1860 München | 30 | 11 | 9 | 10 | 66:50 | 31-29 |
| 8. | FC Schalke 04 | 30 | 12 | 5 | 13 | 51:53 | 29-31 |
| 9. | 1. FC Nürnberg | 30 | 11 | 7 | 12 | 45:56 | 29-31 |
| 10. | SV Werder Bremen | 30 | 10 | 8 | 12 | 53:62 | 28-32 |
| 11. | Eintracht Braunschweig | 30 | 11 | 6 | 13 | 36:49 | 28-32 |
| 12. | 1. FC K'lautern | 30 | 10 | 6 | 14 | 48:69 | 26-34 |
| 13. | Karlsruher SC | 30 | 8 | 8 | 14 | 42:55 | 24-36 |
| 14. | Hertha BSC Berlin | 30 | 9 | 6 | 15 | 45:65 | 24-36 |
| 15. | SC Preußen | 30 | 7 | 9 | 14 | 34:52 | 23-37 |
| 16. | 1. FC Saarbrücken | 30 | 6 | 5 | 19 | 44:72 | 17-43 |
Die Adlerträger und die 2. Liga
Bis zur Einführung der Fußball-Bundesliga 1963 spielte der SC Preußen immer in der jeweils höchsten Spielklasse. Als Gründungsmitglied der deutsche Eliteliga hielten sich die Preußen zwar nur ein Jahr, stand aber später mehrfach auf dem Sprung zurück in die Beletage des deutschen Fußballs.
Im Sommer 1964 musste der Klub von der Hammer Straße als Tabellenvorletzter die Bundesliga wieder verlassen und spielte fortan in der 2. Bundesliga Nord. Es dauerte allerdings bis Mitte der 70er Jahre, ehe die Preußen erstmals wieder ernsthafte Ambitionen auf den Bundesligaaufstieg hegten. Die Preußen scheiterten drei Mal in nur vier Jahren hauchdünn als Tabellendritter am Aufstieg! Was Mainz als (scheinbar) ewiger Dritter in den vergangenen Jahren für die zweite Bundesliga war, waren die Preußen in den 70er Jahren...
Bis Sommer 1981 spielten die Preußen in der 2. Bundesliga Nord, dann reichte es nicht ganz für die Qualifikation zur eingleisigen zweiten Liga. Die Adler waren nicht abgestiegen, spielten aber plötzlich doch nur noch drittklassig in der Oberliga Westfalen.
Es dauerte acht Jahre, ehe der Betriebsunfall Oberliga repariert war. Unter Helmut Horsch schafften die Adlerträger im Sommer 1989 die Rückkehr in den bezahlten Fußball. Und was war das seinerzeit für eine 2. Liga! Hertha BSC Berlin, der FC Schalke 04, SC Freiburg, der MSV Duisburg - sie alle tummelten sich in der Zweitklassigkeit. Unvergessen sind den etwas älteren Fans der Preußen diese letzten Spiele in der zweiten Liga. Der legendäre 1:0-Sieg auf Schalke zum Beispiel wie auch das 2:1 gegen Jens Lehmanns Schalker im Rückspiel. Aber auch herbe Niederlagen wie das 2:6 gegen Hertha oder gar ein 1:7 bei Alemannia Aachen sind im Gedächtnis geblieben. Viel zu schnell und auch ohne Not stieg die Preußen mit einer personell gut besetzten Elf 1991 wieder in die Drittklassigkeit ab. Zwei Aufstiegsrunden brachten 1992 und 1993 nicht den erhofften Wiederaufstieg.
Der Rekordmeister
Vier Mal sicherte sich der SC Preußen den Titel eines Oberligameisters. Im Jahr 1988 wurde der Klub von der Hammer Straße erstmals Meister in der damaligen dritten Liga, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde unter anderem an Hertha BSC Berlin (!); dem VfL Wolfsburg und dem MSV Duisburg. Ja - die dritte Liga war seinerzeit illuster besetzt.
Im Jahr darauf, im Frühsommer 1989, reicht ein furioser Endspurt und ein glücklicher letzter Spieltag erneut zur Meisterschaft. Trauriger Zweiter war damals der heutige Drittligist Arminia Bielefeld. Und auch in der Aufstiegsrunde reichte es diesmal zum Zweitligaaufstieg: Im entscheidenden Spiel kamen die Preußen zu einem schwer umkämpfen 0:0 gegen den MSV Duisburg. Über 20.000 Zuschauer verfolgten das Spiel im Preußenstadion.
Nach dem Zweitligaabstieg 1991 setzte der Klub alles auf den sofortigen Wiederaufstieg. Als souveräner Oberligameister scheiterte der SC Preußen 06 e.V. Münster jedoch 1992 klar in der Aufstiegsrunde (am Wuppertaler SV). Auch 1993 war es wieder der SC Preußen, der den Meistertitel holte. Nur ganz knapp vergaben die Adler damals den Aufstieg. Im Entscheidungsspiel unterlag man den Gästen von RW Essen vor 21.000 Zuschauern mit 1:3...
Mit vier Meistertiteln ist der Verein der Rekordmeister in Westfalen. Lediglich Paderborns Fusionsklub hat ebenfalls vier Meisterschaften geholt, das jedoch sowohl als TuS Schloß Neuhaus und erst später als TuS Paderborn Schloß Neuhaus.
Die (zweifelhafte) Ehre, den fünften Meistertitel zu holen, blieb den Preußen bekanntlich im Sommer 2007 verwehrt.
Deutscher Amateurmeister 1994
Die Oberliga-Saison 1993/1994 war für die Adlerträger von Enttäuschung geprägt. Nach zwei Meisterschaften in Folge (1992/1993) und dem zweimaligen Scheitern in der Aufstiegsrunde mussten die Preußen 1994 zusehen, wie Paderborn sich die Meisterschaft sicherte.
Als Tabellenzweiter ging Münster durchs Ziel. Das qualifizierte den Klub von der Hammer Straße für die damals noch ausgespielte Amateurmeisterschaft. Darin spielten alle Tabellenzweiten der höchsten deutschen Amateurklasse einen eigenen Meister aus.
In seiner Gruppe traf der SC Preußen auf die Gegner VfL Osnabrück, Union Berlin, Stahl Eisenhüttenstadt und Alemannia Aachen. In der durchaus ansehnlich besetzten Nord-Gruppe bewiesen die Preußen überraschende Stärke.
| Spiel 1 | SC Preußen - Alemannia Aachen | 3:1 |
| Spiel 2 | Stahl Eisenhüttenstadt - SC Preußen | 3:3 |
| Spiel 3 | SC Preußen - Union Berlin | 4:1 |
| Spiel 4 | VfL Osnabrück - SC Preußen | 0:3 |
Nach den Gruppenspielen war der SC Preußen für das Finale gegen die Offenbacher Kickers qualifiziert, die sich in der Süd-Gruppe durchgesetzt hatten.
Das Endspiel fand auf dem legendären Bieberer Berg in Offenbach statt, immerhin 6000 Zuschauer wollten dieses Finale sehen, darunter auch viele Hundert Fans aus Münster.
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Finale Kickers Offenbach 0:1 (0:1) SC Preußen
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| Tor 0:1 Serr (38.) |
Gefeiert wurde wenige Tage später in Münster. Auf dem Prinzipalmarkt versammelte sich eine fröhlich feiernde Preußengemeinde, während weiter hinten an der Lambertikirche die Komödie Nich' mit Leo (Jürgen von der Lippe) gedreht wurde. Zaghafte Versuche der Filmcrew, den Preußenanhang um etwas Ruhe zu bitten, wurden abschlägig beschieden...
100 Jahre Preußen Münster
Im Jahr 2006 feierte der SC Preußen seinen 100. Geburtstag. Doch ein rauschendes Fest war es nicht immer - der erstmalige Abstieg in die Viertklassigkeit zehrte auch an den Nerven der Verantwortlichen und Fans. Die Jubiläumsfeierlichkeiten wurden bereits zur Jahresmitte eingestellt.
Ausstellung im Stadtmuseum
Einige schöne Veranstaltungen gab es aber dennoch. Im Stadtmuseum wurde am 22. Februar 2006 eine Ausstellung eröffnet. Carsten Cramer, heute Sportvermarkter bei sportfive, früher in vielen Positionen beim Verein von der Hammer Straße tätig, moderierte die Eröffnungsveranstaltung vor voll rund 150 geladenen Gästen.
Für die Stadt und den nicht anwesenden Oberbürgermeister Tillmann begrüßte Bürgermeister Günter Schulze Blasum die Gäste. Eine gute Wahl, immerhin hatte Schulze-Blasum schon zu Bundesligazeiten im Preußenstadion gestanden.
Auch Preußen-Präsident Marco de Angelis hieß die Besucher willkommen. Er erinnerte daran, dass der Klub seit über 80 Jahren das sportliche Aushängeschild der Stadt sei und über Generationen hinweg die Menschen das Schicksal des Klubs verfolgten. Um den offiziellen Teil aufzulockern, wurde aus Nick Hornbys Fußball-Roman Fever Pitch gelesen, freilich leicht verändert und übertragen auf den SC Preußen.
Dr. Barbara Rommé, Leiterin des Stadtmuseums, übernahm schließlich die kurze Einführung in die Ausstellung. Etwas unfreiwillig sorgte sie für einiges Schmunzeln. Zunächst hatte Carsten Cramer launig auf die Kleidungswahl von Rommé (weiße Bluse, grüner Blazer, schwarze Hose) hingewiesen ("Wo immer Sie diesen grünen Blazer herhaben - Chapeau!"); dann sorgte die Leiterin selber für ein Schmunzeln, als sie sagte, der Stadionneubau sei energisch "gefördert" worden. Gemeint hatte sie "gefordert"...
Jubiläumsempfang
Am 30. April 2006 lud der SC Preußen 06 e.V. Münster zum offiziellen Empfang am Jahrestag der Vereinsgründung ein. Viele ehemalige und aktuelle Preußen folgten der Einladung, darunter Christoph Metzelder, Jochen Jockel Terhaar, Dirk Bremser, Dirk Toni Winter, Carsten Becker und Ingmar Putz, Fiffi Gerritzen, Rudi Schulz, Ronny Schnitker, Ernst Mareczek, Helmut König, Thomas Herda und Hermann Brück. Für den plötzlich erkrankten Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann und den abwesenden Bürgermeister Günter Schulze Blasum durfte Bürgermeisterin Karin Reismann sprechen. Leider sah sich auch der DFB außer Stande, am Tag nach dem DFB-Pokalfinale einen hochrangigen Funktionär nach Münster zu entsenden. So übernahm Benno Ittermann, Schatzmeister beim FLVW, die eher undankbare Aufgabe des offiziellen Grußes.
Eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Feierstunde war es, wiederum launig moderiert von Carsten Cramer. Immer wieder kamen einzelne Fans mit ihren persönlichen Wünschen zu Wort. Ein Image-Video zum SC Preußen wurde präsentiert und schließlich verteilte die Preußen gar Geschenke an die Besucher: Jeder Gast erhielt ein Traditionstrikot mit seinem Namenszug! Das wurde flugs übergestreift und dann das größe Mannschaftsfoto der Vereinsgeschichte vor dem Rathaus gestellt.
Kritische Töne gab es dennoch: Mitten im Abstiegskampf der ersten Mannschaft erinnerte Präsident Marco de Angelis an die Verantwortung der Stadt in Sachen Stadion und erinnerte daran, dass sich die Adlerträger eigentlich seit dem Bundesligaabstieg 1964 bis auf kurze Ausnahmen in einem Abwärtstrend befinde.
Die Frage müsse erlaubt sein, warum das so sei. Untaugliche Mittel, der Mangel an finanziellen Mittel und immer wieder gescheiterte Versuche, eine sportliche Leitung mit Trainer und einem Manager zu installieren. Das seien Gründe für das bisherige Scheitern, so de Angelis. Ehrlich müsse man sagen, dass aktuell der Anspruch, den Aufstieg zu schaffen, nicht realistisch sei. Der Präsident sollte mit diesen Anmerkungen Recht behalten - bekanntlich folgte nur zwei Monate später der Abstieg in die Oberliga Westfalen.
Wann spielten die Preußen in welcher Liga?
Die ganz große Zeit der Preußen liegt bereits einige Jahrzehnte zurück. Nach dem Bundesligaabstieg 1964 stand der Verein mehrfach auf dem Sprung zurück in die erste Liga - vergeblich. Bis heute sind die Preußen das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga, das nie wieder erstklassig spielte.
Abgesehen von den beiden Zweitligajahren 1989 bis 1991 hat es sich der Klub von der Hammer Straße in der jeweils höchsten deutschen Amateurklasse gemütlich gemacht, auch wenn es derzeit nur viertklassig zugeht...
| 1948/1949 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1949/1950 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1950/1951 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1951/1952 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1952/1953 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1953/1954 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1954/1955 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1955/1956 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1956/1957 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1957/1958 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1958/1959 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1959/1960 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1960/1961 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1961/1962 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1962/1963 | Oberliga West | 1. Liga |
| 1963/1964 | Bundesliga | 1. Liga |
| 1964/1965 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1965/1966 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1966/1967 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1967/1968 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1968/1969 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1969/1970 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1970/1971 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1971/1972 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1972/1973 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1973/1974 | Regionalliga West | 2. Liga |
| 1974/1975 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1975/1976 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1976/1977 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1977/1978 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1978/1979 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1979/1980 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1980/1981 | 2. Bundesliga Nord | 2. Liga |
| 1981/1982 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1982/1983 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1983/1984 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1984/1985 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1985/1986 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1986/1987 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1987/1988 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1988/1989 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1989/1990 | 2. Bundesliga | 2. Liga |
| 1990/1991 | 2. Bundesliga | 2. Liga |
| 1991/1992 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1992/1993 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1993/1994 | Oberliga Westfalen | 3. Liga |
| 1994/1995 | Regionalliga West/Südwest | 3. Liga |
| 1995/1996 | Regionalliga West/Südwest | 3. Liga |
| 1996/1997 | Regionalliga West/Südwest | 3. Liga |
| 1997/1998 | Regionalliga West/Südwest | 3. Liga |
| 1998/1999 | Regionalliga West/Südwest | 3. Liga |
| 1999/2000 | Regionalliga West/Südwest | 3. Liga |
| 2000/2001 | Regionalliga Nord | 3. Liga |
| 2001/2002 | Regionalliga Nord | 3. Liga |
| 2002/2003 | Regionalliga Nord | 3. Liga |
| 2003/2004 | Regionalliga Nord | 3. Liga |
| 2004/2005 | Regionalliga Nord | 3. Liga |
| 2005/2006 | Regionalliga Nord | 3. Liga |
| 2006/2007 | Oberliga Westfalen | 4. Liga |
| 2007/2008 | Oberliga Westfalen | 4. Liga |
| 2008/2009 | Regionalliga West | 4. Liga |
| 2009/2010 | Regionalliga West | 4. Liga |





