Vereinspräsident Christoph Strässer warb auf der Infoveranstaltung für die Ausgliederung. Foto: MW/SCP

Vereinsführung stellt Mitgliedern konkrete Ausgliederungspläne vor

Der SC Preußen 06 e.V. Münster beabsichtigt, seinen Profibereich – das sind nach den Vorgaben des DFB und der DFL die 1. Herrenmannschaft, die 2. Mannschaft sowie die U19 und U17 – auszugliedern und in eine Kapitalgesellschaft zu überführen. Befürwortete Rechtsform der zu gründenden Gesellschaft ist die GmbH & Co. KG auf Aktien. Zur Entscheidung über dieses Vorhaben wird für den 14. Januar 2018 (11 Uhr, Mensa am Ring) eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen.

Hintergrund dieser Maßnahme ist die Tatsache, dass sich der Profi-Fußball schon seit vielen Jahren mehr und mehr zu einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb entwickelt, dem die Rechtsform des e.V. nicht mehr gerecht wird. Bei Vereinen, die in den Bereichen 1. bis 3. Liga aktiv sind, besteht zum einen die große Gefahr, dass bei Fortgang dieser Entwicklung eine registergerichtliche Löschung aus dem Vereinsregister wegen sogenannter “Rechtsformverfehlung” droht. Da von allen Beteiligten angestrebt wird, den gemeinnützigen Teil unseres Vereins zu erhalten (das privatrechtliche Eigentum an der Marke, die Fußball-Jugend bis zur U16, das Mitgliederwesen und die Traditionsmannschaft sowie die Abteilungen für Leichtathletik, Handball, Faustball und Tennis), gilt es, diesen verbleibenden “ideellen” Bereich langfristig vor den wirtschaftlichen Risiken des professionellen Spielbetriebs zu schützen.

Zum anderen gilt es, den Profibereich zu professionalisieren und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass externe Investoren für die Investition von Eigenkapital gewonnen werden können, ohne, dass eine wirtschaftliche Abhängigkeit diesen Investoren gegenüber entsteht. Wir schlagen dafür folgenden Weg vor: Für den oben definierten Bereich des Profifußballs wird eine Kommanditgesellschaft gegründet, deren persönlich haftende Komplementärin eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) werden soll. Diese erhält den Namen “SC Preußen Münster Geschäftsführungs-GmbH”. Das für die Gründung und Eintragung dieser GmbH einzubringende (Mindest-) Kapital von 25.000 Euro wird zu 100% vom e.V. gestellt. Diese Komplentär-GmbH wird also auf Dauer von dem eingetragenen Verein beherrscht. Personell wird das in der zu erstellenden Satzung der Geschäftsführungs-GmbH dadurch zum Ausdruck gebracht, dass in dem zu gründenden Beirat nach jetzigem Entwurf sechs von der Mitgliederversammlung des e.V. gewählte Mitglieder des Aufsichtsrats des e.V. sowie drei Mitglieder des Präsidiums vertreten sind. Der Beirat kann sich (wie heute der Aufsichtsrat des e.V.) um weitere Mitglieder ergänzen; es ist durch Satzung gewährleistet, dass die durch den e.V. gewählten Mitglieder immer in der Mehrheit sein müssen. Für die GmbH werden des Weiteren nach jetzigem Stand zwei Geschäftsführer bestellt (einer für den sportlichen und einer für den kaufmännischen Bereich), und zwar durch einen “Hauptausschuss“, bestehend aus fünf vom Beirat zu ernennenden Personen.

Der eigentliche Betrieb des Profifußballs wird sodann über die Kommanditgesellschaft auf Aktien organisiert, d.h., es wird zunächst ein Grundkapital festgelegt, das in Aktien aufgeteilt wird. Für die Höhe des Grundkapitals gibt es für die Gründung und die Genehmigung zur Teilnahme am Spielbetrieb die Mindesteinlage von 1.000.000 Euro für die 3.Liga, für die 2. und 1. Liga 2.500.000 Euro. Dieses Grundkapital wird im ersten Schritt vom e.V. durch Übertragung seines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes auf Grund eines “Ausgliederungsplanes” eingebracht, d.h. in der Gründungsphase wird der e.V. zu 100% Kommanditist.

Im nächsten Schritt soll sodann Kapital zur Finanzierung des Geschäftsbetriebes Profifußball eingeworben werden. Die Höhe der erwerbbaren Anteile in Form von Aktien, Dauer des Verbleibs wie auch die investierenden natürlichen oder juristischen Personen werden von der persönlich haftenden Gesellschafterin, hier also der GmbH, festgelegt. Auch der e.V. kann Anteile erwerben, muss es aber nicht. Das heißt, dass in der KG die Anteile von 1 – 100 variabel aufgeschlüsselt sein können, sowohl auf e.V. als auch auf private Investoren. Diese Konstruktion sichert auf Dauer die Möglichkeiten des e.V. über die Komplementär-GmbH, die letztendlich das operative Geschäft bestimmt. In der Hauptversammlung der KGaA vertritt der Präsident den e.V.

Ergänzend zu dieser rein rechtlichen Darstellung ist noch die Festschreibung, dass das privatwirtschaftliche Eigentum des e.V., also z.B. die Marke, zivilrechtlich auch nach der Ausgliederung beim Verein verbleibt. Es kann zur wirtschaftlichen Nutzung auf die Kapitalgesellschaft übertragen werden.

Eine Ausgliederung ist nach unserer Auffassung zwingend, um die Positionierung des SC Preußen in der Spitze des deutschen Fußballs auf Dauer zu gewährleisten. Man mag die zunehmende Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fußballs kritisieren – das ist legitim und vertretbar. Wenn man sich aber, so wie wir, dafür entscheidet, den Aufbruch zu wagen und die Preußen dorthin zu führen, wo sie hingehören, nämlich zunächst zumindest in Liga 2, dann ist dieser Schritt erforderlich. Gerade die Entwicklung unseres Vereins zeigt deutlich, dass die Rechtsform des e.V. für potentielle Investoren aus vielerlei Gründen nicht attraktiv ist – auch dies mag man bedauern, diese Feststellung entspricht aber der Realität. Mit unserem Modell glauben wir, dass wir beides miteinander verbinden: die Aufrechterhaltung bewahrenswerter traditioneller Werte und den Einstieg in eine erfolgreiche sportliche Zukunft. Beides geht zusammen: der Aufbau neuer Strukturen unter Aufrechterhaltung größtmöglicher Entscheidungsgewalt von gewählten Mitgliedern des e.V. Der Verein verliert nichts – er kann viel gewinnen. Uns ist nicht egal, in welcher Liga unser Verein spielt!

Und wir wissen auch, dass dieser Schritt keine Garantie für eine bessere Zukunft darstellt. Aber wir sind uns über eines sicher: Ohne diesen Schritt wird es keine Zukunft für Spitzenfußball in Münster mit dem SC Preußen geben. Und genau darüber entscheiden unsere Mitglieder am 14. Januar 2018!

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