Kann es noch gar nicht richtig realisieren: U23-Cheftrainer Sören Weinfurtner hat seine Mannschaft in die Oberliga geführt. Foto: MW/SCP

Aufstiegstrainer Sören Weinfurtner im Interview

Der Aufstieg ist geschafft! Am letzten Sonntag hat sich die U23 des SC Preußen Münster die Meisterschaft in der Westfalenliga gesichert und geht damit in der kommenden Spielzeit erstmals in der Oberliga an den Start. Dabei reichte ein 1:1-Unentschieden im Derby gegen den TuS Hiltrup, weil der Verfolger SuS Neuenkirchen gleichzeitig verlor. Bis das Ergebnis des Konkurrenten feststand, dauerte es nach dem Schlusspfiff im Preußenstadion aber noch einige Zeit. Nach Minuten der Anspannung und des Wartens folgte dann die erlösende Nachricht, die mit dem sicheren Aufstieg verbunden war. Der Kopf dieses Erfolgs war Cheftrainer Sören Weinfurtner, der es jetzt in seinem siebten Jahr als Trainer beim SCP geschafft hat, den Sprung zu meistern. Im Interview spricht der U23-Coach über den Aufstieg, den Schlüssel zum Erfolg und was ihn und seine Mannschaft im kommenden Jahr erwarten wird.

Sören, herzlichen Glückwunsch zum verdienten Aufstieg! Nach Jahren, in denen ihr knapp gescheitert seid, hat es endlich geklappt. Wie groß ist jetzt deine Erleichterung, wie groß ist die Freude?

„Die Erleichterung ist natürlich groß, die Freude aktuell aber noch schwer in Worte zu fassen. Wenn du es so lange gemacht und auch dieses Jahr mit der Mannschaft so viel Zeit und Arbeit investiert hast, ist es am Ende ein ganz toller Lohn für alle. Das so richtig zu realisieren – die Saison ist ja auch noch nicht vorbei – wird wohl erst kommen, wenn man mal ein bisschen Abstand gewinnt. In der Sommerpause kann man alles sacken lassen, dann werden eine innere Freude und auch Stolz kommen, da bin ich mir sicher. Jetzt prasselt noch vieles auf einen ein, man wird von vielen angesprochen, Sonntag steht schon das nächste Spiel an. Es ist wirklich schön, aber noch nicht so echt.“

Dann passte es auch perfekt ins Bild, dass ihr den Aufstieg im Stadion vor rund 400 Fans perfekt machen konntet, oder?

„Carsten Winkler [Trainer des TuS Hiltrup, A.d.R.] hat es nach dem Spiel schon gesagt: Für dieses Spiel, dieses Derby, war es wirklich ein würdiger Rahmen. Der Platz war in einem hervorragenden Zustand, das hat unser Platzwart klasse hinbekommen. Dass Kerni sich als Stadionsprecher noch hinstellt und ein bisschen Musik und Durchsagen macht, dass zudem so viele Zuschauer kommen, da hat es ins Bild gepasst, dass es in diesem Moment auch funktioniert hat mit dem Aufstieg. Das war würdig und schön – und auch historisch, schließlich war es der erste Aufstieg in die Oberliga. Dabei wiederholt sich Geschichte: Vor zehn oder elf Jahren ist die U23, wenn auch in ganz anderer Zusammensetzung, mit Trainer Cihan Tasdelen im Stadion aus der Landes- in die Verbandsliga aufgestiegen.“

Dass es eine Kunst ist, gerade mit einer so jungen U23-Mannschaft aufzusteigen, kann sich jeder vorstellen. Was hat dieses Team so ausgezeichnet, dass es dieses Jahr eben funktioniert hat und der Traum wahr geworden ist?

„Wir hatten viele talentierte Mannschaften und auch viele talentierte Spieler, das stimmt. Ich glaube, dass es in diesem Jahr die Tiefe im Kader war. Wir konnten auch längerfristige Ausfälle gut kompensieren. Auch die Entscheidung der Geschäftsführer, dass wir im Winter nochmal nachgelegt und mit Julius Hölscher und Loris Deiters hochwertige Verpflichtungen getätigt haben, war ein wichtiges Zeichen. Für die Mannschaft, aber auch nach außen. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg war der Erfolgshunger der Spieler. Viele im Team haben sich nicht leicht zufrieden gegeben und ich habe immer einen Antrieb gespürt, dass sich die Jungs verbessern wollen. Diese Mentalität hat uns ausgemacht und sich auch in der Saison in vielen Spielen widergespiegelt. Es gab ja durchaus Wackelmomente, aber da hat sich die Mannschaft immer selbst befreit.“

Wie war eure Feier? Habt ihr die Nacht zum Tag gemacht?

„Ich wollte mir gleich mal die Kabine anschauen [grinst]. Es ging schon gut zur Sache, später sind wir noch in der Altstadt gelandet und haben dort gut gefeiert. Es war zünftig. Ich weiß nicht, was dann passiert ist, als ich gegen zwei Uhr gefahren bin. Vermutlich haben die Jungs nochmal den fünften Gang eingelegt.”

Jetzt geht ihr nächste Saison in der Oberliga an den Start, die nochmal ein anderes Pflaster als die Westfalenliga ist. Wie geht ihr diese Herausforderung an? Und welche Ziele steckt ihr euch selbst?

 „Als Aufsteiger werden wir in dieser Liga, mit diesen Mannschaften – eventuell geht ja neben Wattenscheid auch noch Wiedenbrück runter, dazu steigt mit Meinerzhagen eine weitere ambitionierte Mannschaft auf – demütig an die Aufgabe herangehen. Wir müssen unseren Platz finden, um Punkte zu sammeln und die Klasse zu sichern. Darüber hinaus müssen wir uns eben weiterentwickeln. Der Großteil des Kaders bleibt zusammen und in den Jungs steckt noch einiges an Potential. Das höhere Niveau und der körperlichere Anspruch werden sie sicherlich nochmal anders fördern. Aber wir werden auch unser Spiel anpassen müssen. In dieser Saison haben wir viel Ballbesitz gehabt, waren immer sehr offensiv ausgerichtet. Das soll auch weiter unser Anspruch sein, wir dürfen aber nicht so vermessen sein und glauben, dass das in jedem Spiel in der Liga so gehen wird. Wir werden unsere Lehren ziehen und auch Rückschläge verkraften müssen, insgesamt aber sehr gut aufgestellt sein.“

Auf was freust du dich im nächsten Jahr in der neuen Liga am meisten?

„Einfach mal was anderes zu sehen! In der Westfalenliga war ich jetzt in jedem Stadion, da freue ich mich darauf, alle zwei Wochen mal woanders hinzufahren. Klar, kennt man das eine oder andere Stadion schon, aber das Ambiente wird eben ein anderes und sehr reizvoll sein. Zudem ist für mich als Trainer und auch für das Team natürlich die Herausforderung, in der Oberliga zu spielen, eine spannende Sache. Klar haben wir in Testspielen schon gute Leistungen gegen Teams aus dieser Liga gezeigt, aber das ist dann eben Meisterschaft. Und es sind dann 34 Spieltage und nicht nur 28 oder 30 wie sonst. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe.“

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