Philipp Müller (r.) erarbeitet sich mehr und mehr Spielanteile und stand gegen Meppen erstmals in der Startelf. Foto: Sanders

Im Spielerporträt: Philipp Müller

Verletzungen können für Sportler üble Geschichten sein, die auch schon den einen oder anderen Traum auf dem Gewissen haben. Ganz so schlimm hat es Philipp Müller glücklicherweise in seiner jungen Karriere nicht getroffen, dennoch kann der 23-Jährige ein Lied von verletzungsbedingten Rückschlägen singen. Bereits mehrfach wurde der talentierte Rechtsfuß durch Verletzungen ausgebremst, verpasste dadurch vielleicht auch die Chance, noch andere Türen aufzustoßen. Im Sommer wollte der leidgeplagte Neuzugang dann endlich beim SC Preußen Münster ein neues Kapitel schreiben, brauchte aber wieder seine Anlaufzeit. Kleinere Rückschläge in der Vorbereitung verhinderten Einsätze zu Saisonbeginn, erst am vierten Spieltag feierte Müller bei einem Kurzeinsatz sein Debüt. Es folgte eine weitere kurze Zwangspause, jetzt erarbeitet er sich nach und nach mehr Spielzeiten. „Natürlich habe ich mir den Start hier anders vorgestellt. Ich will endlich mal wieder eine Saison durchspielen und mit der Mannschaft erfolgreich sein. Dazu will ich jetzt auch meinen Anteil beisteuern“, brennt Philipp Müller darauf, nach seiner langen Leidenszeit endlich wieder durchzustarten und mit seiner Spielweise zu helfen: „Ich denke, meine Stärke ist meine Variabilität. Ich entscheide auf dem Platz nach Instinkt, lege mir da vorher nichts zurecht. So ein bisschen freestyle. Es gibt natürlich Vorgaben vom Trainer, aber der weiß auch, dass ich besser funktioniere, wenn ich meine Freiheiten habe.“

Sein letzter Startelfeinsatz in der 3. Liga liegt aber schon über ein Jahr zurück, damals trug Müller noch das Trikot von Wehen Wiesbaden. Mit 3:1 gewannen sie im September 2017 gegen Erfurt, kurz darauf traten Fersenprobleme auf, die sich hartnäckig hielten und für die es keine richtige Behandlung gab. „Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, war in der Schweiz bei einem Fersenspezialisten, habe in Frankfurt eine Strahlentherapie gemacht – aber alles hat nichts geholfen“, musste der gebürtige Hamburger über ein halbes Jahr zusehen, wie Wiesbaden im Aufstiegskampf mitmischte, er selbst aber nur auf der Tribüne sitzen konnte. „Das war schon belastend“, sorgte die Unwissenheit für Unruhe, die sich zum Glück irgendwann legte. Gegen Ende der Saison kam Müller nochmal auf Kurzeinsätze, im Sommer folgte der Schritt an die Hammer Straße.

Schon als kleiner Kicker stand früh fest, welchen Weg er einschlagen will. „Ich bin damals bei meinem Dorfverein, wo alles begann, zu den Spielern der ersten Mannschaft gelaufen und habe mir Autogramme geholt, weil ich dachte, die wären Profis. Vermutlich haben sie Kreisliga gespielt“, erzählt er lachend. Aus den anfänglichen Wunschvorstellungen wurden schließlich konkrete Pläne, zur U12 wechselte er in die Jugendakademie des HSV. Von dort ging das Nachwuchstalent später in die U19 des VfL Wolfsburg, wo er zwei überragende Jahre erlebte. Der Offensivmann war Teil eines richtig starken Kaders, der in der Liga beinahe alles gewann und sich später mit der Deutschen Meisterschaft belohnte. „Das hat schon Spaß gemacht damals, auch mit Jungs wie Julian Brandt zusammenzuspielen“, erinnert sich Philipp Müller gerne an die Zeit zurück, auch wenn in seinem zweiten U19 Jahr im Halbfinale Schluss war. Er selbst hatte bereits beim Hamburger SV einen Profivertrag unterschrieben, erfüllte sich somit einen Kindheitstraum. „Als gebürtiger Hamburger war das natürlich etwas ganz besonderes. Aber es war eben nur ein Stück Papier“, wusste er genau, dass Einsätze nur über harte Arbeit zustande kommen würden. Als Youngstar hatte er dafür sogar auf Urlaub verzichtet, um pünktlich beim Trainingsstart dabei zu sein. „Wir haben sonntags das Halbfinale gespielt, mittwochs war dann der Start bei den Profis, da wollte ich nicht als Jüngster später dazu stoßen“, war die Vorfreude riesig. Der Start lief gut, dann zog Müller sich einen Muskelbündelriss zu. Drei Monate Pause. „Das war eine unangenehme Zeit, ich stand ein bisschen zwischen den Stühlen. Ich hatte Physio bei den Profis, aber direkt neben der U23. Da wusste man nicht so recht, wozu ich jetzt gehöre.“  Der HSV wechselte in dieser Zeit seinen Trainer, damit war Müller vorerst auf dem Abstellgleis, ohne je die Chance gehabt zu haben, sich richtig zu zeigen. Er kämpfte sich in der U23 zurück, empfahl sich dort in zwei Jahren für die Aufgabe bei Wiesbaden. Jetzt liegt der ganze Fokus von Philipp Müller auf der Aufgabe beim SCP. „Ich bin froh, dass die Preußen nach der Zeit auf mich setzen und der Trainer so überzeugt von meinen Qualitäten ist“, will der Rechtsfuß das Vertrauen zurückzahlen – und regelmäßig von Beginn an auf dem Platz stehen.

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