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Nachgefragt: Sicherheitsbeauftragter Roland Böckmann zum Gästeausschluss bei den Derbys

Am 23. September steigt in der Osnatel-Arena das Derby zwischen dem VfL Osnabrück und dem SC Preußen Münster. Erstmals wird diese Partie ohne Gästefans ausgetragen. Über die Hintergründe zu dieser Entscheidung sprachen wir mit Roland Böckmann, dem Sicherheitsbeauftragten der Adlerträger.

Die letzten Derbys gegen den VfL Osnabrück wurden, trotz höchster Sicherheitsauflagen und vieler Bemühungen der beteiligten Vereine, immer wieder von Ausschreitungen und dem massiven Einsatz von Pyrotechnik begleitet. Ist der Ausschluss der Gästefans im Hin- und im Rückspiel die Konsequenz daraus?

Ja, leider ist das die Konsequenz, weil von den zur Wahl stehenden Alternativen nur diese für uns in Frage kam. Man darf nicht vergessen, dass insbesondere bei den Derbys allein in der Saison 2014/15 etwa 70 Verletzte durch den Einsatz von Pyrotechnik und bei Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei zu beklagen waren.

Du hast die Alternativen angesprochen. Welche waren das? Und an welchem Punkt gab es für den Verein keinen Handlungsspielraum mehr?

Die Alternativen wären neben einem weiter reduzierten Kartenkontingent und personalisierten Bewerbungen um eine Eintrittskarte in Form von Vouchern vor allem die verpflichtende, vom Verein zu organisierende Anreise mit Bussen von Münster nach Osnabrück gewesen.

Die Personalisierung des Ticketverkaufs und eine Reduzierung des Kontingents wären denkbar gewesen, aber uns als Verein mittels einer verpflichtenden Anreise Rechte und Pflichten zu übertragen, die im öffentlichen Raum stattfinden, war für uns keine ernstzunehmende Option. Zu viele rechtliche Fragen – insbesondere haftungsrechtliche – blieben für uns in diesem Zusammenhang unbeantwortet. Was ist mit dem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte? Was ist mit der Reisefreiheit? Ganz abgesehen von den hohen Kosten, die so eine Form der Anreise verursachen würde. Der Komplettpreis für dieses sogenannte Kombiticket hätte dann schnell bei 40 Euro gelegen.

Diese Entscheidung ist dem Verein sicher nicht leicht gefallen.

Absolut nicht! Deshalb haben wir in mehrstündigen Sitzungen mit allen Beteiligten diskutiert und versucht, andere Lösungen zu finden.

Der Verein hat in der Sache früh den Dialog mit verschiedenen Fanvertretern gesucht und versucht, sie in den Prozess einzubinden. Warum?

Es war uns ein wichtiges Anliegen, unsere Fans frühzeitig über geplante Maßnahmen zu informieren und deutlich zu machen, dass wir in der Diskussion mit den Behörden und Institutionen klar unseren Standpunkt vertreten haben.

Derartige Auflagen hat es in der 3. Liga so noch nicht gegeben, oder?

Gästeausschlüsse hat es in der 3. Liga natürlich schon gegeben – davon waren wir 2011 selbst betroffen. Beim Drittligaspiel zwischen Dresden und Rostock gab es ebenfalls Bestrebungen, personalisierte Voucher einzuführen. Dazu ist es am Ende nicht gekommen. Aber die verbindliche und vom Verein organisierte An- und Abreise hat es in der 3. Liga noch nicht gegeben. Das organisatorisch und personell umzusetzen würden auch nur die allerwenigsten Drittligisten schaffen.

Abschließende Frage: Was wünschst du dir für das Derby in Osnabrück?     

Dass sich unsere Mannschaft trotz allem in Osnabrück behauptet und drei Punkte mitbringt. Für das Drumherum hoffe ich, dass es zu keinerlei Ausschreitungen kommen wird. Weil nur das dazu führen wird, dass die Derbys 2016/17 wieder mit der Beteiligung von Gästefans ausgetragen werden können.

Mehr zum Thema

Mitteilung des SC Preußen 06 e.V. Münster

Offizielle Pressemitteilung des VfL Osnabrück

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