Sein Blick richtet sich wieder nach vorne, doch einmal blicken wir mit Cihan Tasdelen nochmal auf 19 Jahre Preußen Münster zurück. Foto: MW/SCP

Rückblick auf 19 Jahre Preußen: Cihan Tasdelen im Interview

Nach fast zwei Jahrzehnten endet in diesem Sommer eine Ära an der Hammer Straße: Cihan Tasdelen, der seit dem Jahr 2000 als Jugendtrainer beim SC Preußen Münster tätig war, verlässt den Verein. Nach so vielen Jahren im Adlerclub wird der Übungsleiter seine Spuren hinterlassen. Angefangen hat alles als U17-Co-Trainer, später folgten Stationen bei der U19 und der U23. Den Unterbau der Profis führte der Übungsleiter in der Saison 2008/09 in die Westfalenliga, mit der U19 schaffte der 43-Jährige den Sprung in die A-Junioren-Bundesliga. In der höchsten Nachwuchsliga schaffte es Cihan Tasdelen in den letzten Jahren jedes Mal aufs Neue sich mit seinen Mannschaften gegen die namhafte Konkurrenz zu behaupten und fünfmal den Klassenerhalt zu sichern. Nach dieser Saison ist für ihn dann Schluss beim SCP, eine neue Aufgabe wartet. Zum Abschied haben wir nochmal mit Tasdelen über seine besondere Zeit in Schwarz-Weiß-Grün gesprochen. Hier findet ihr das ausführliche Porträt von Cihan Tasdelen.

Cihan, nach fast 19 Jahren geht dein Kapitel beim SC Preußen zu Ende. War der fünfte Klassenerhalt in der A-Junioren-Bundesliga ein passender Abschluss für dich?

Absolut! Alle Klassenerhalte in den letzten fünf Jahren waren sehr schön für mich. Ich hatte ja im Vorfeld Zeit, um mich auf meine letzte Saison und meinen Abschied vorzubereiten. Wir wollten natürlich zum Abschluss den Klassenerhalt nochmal schaffen, das war unser Ziel. Zum Ende der Saison habe ich auch gemerkt, wie wichtig es mir persönlich war, den Verein mit diesem Erfolg zu verlassen. Von daher bin ich sehr froh, dass uns das gelungen ist.

Zwei Jahrzehnte als Nachwuchstrainer bei einem Verein, das gibt es nicht so oft. An was wirst du besonders gerne zurückdenken?

Wenn ich so überlege, es ist fast die Hälfte meines Lebens, die ich hier verbracht habe. Dann ist es kein normaler Verein mehr, in dem man als Trainer aktiv ist. Preußen ist für mich zu einem zweiten Zuhause geworden und ich hatte hier wirklich wunderschöne Jahre. Am Ende ist es hart, diesen Schritt zu gehen und den Verein zu verlassen, aber alles hat eben ein Ende. Jetzt, wo ich ein bisschen mehr Zeit habe, fühlt es sich schon etwas komisch an. Ich habe die Tage nochmal alle Zeitungsartikel rausgesucht, die sich über die Jahre so angesammelt haben. Der ganze Tisch lag voll, das war wie im Film. Ich werde mich immer an eine tolle Zeit erinnern.

Du bist mit der U23 vor Jahren in die Westfalenliga aufgestiegen, hast zudem mit vielen Teams den Klassenerhalt geschafft. Was würdest du sagen, was lässt sich besser feiern?

Puuh, beides. Ich bin in der Jugendabteilung insgesamt viermal aufgestiegen und habe in der Bundesliga fünfmal den Klassenerhalt geschafft. Aber ich würde sagen, der Aufstieg mit der U23 war damals schon etwas Besonderes. Als ich die Mannschaft übernommen habe, war es eine zweite Mannschaft mit vielen älteren Spielern. Daraus haben wir dann eine reine U23 formiert, das war gar nicht so einfach. In dem Jahr war es zudem recht unruhig in der ersten Mannschaft und im Saisonverlauf kamen mehrere Spieler von oben runter zu uns. Da war es schwierig, eine gute Mischung zu finden. Aber das ist uns damals gelungen und deswegen war es besonders schön, die U23 erstmals in die Westfalenliga zu führen. Jetzt ist es Sören [Weinfurtner, A.d.R.] mit seinem Team gelungen, sie noch eine Liga höher zu führen. Es ist schön zu sehen, dass die Treppchen langsam erklommen werden.

In 19 Jahren Jugendarbeit beim SCP hast du viele Talente auf ihrem Weg begleitet. Welche Spieler waren besonders talentiert? Und hast du noch Kontakt zu den Jungs?

Natürlich bringt man die Talente weiter, als Trainer sollte man sich in diesem Prozess aber nicht allzu wichtig nehmen. Es gab vor meiner Zeit Trainer, die diese Spieler weiterentwickelt haben und auch nach meiner Zeit. Das wichtigste ist der Spieler selbst. Ich finde es etwas komisch, wenn sich Trainer damit brüsten, viele Spieler hervorgebracht zu haben, das möchte ich nicht. Meine Aufgabe war es, die besonderen Spieler zu entdecken.

Aber es stimmt, wir hatten viele gute und talentierte Spieler. Recht schnell ging es damals bei Jens Wissing. Mit ihm bin ich damals in die U19-Bundesliga aufgestiegen, in der Folgesaison sollte ich die U23 übernehmen. Für die hat mir auch Wissing zugesagt. Da habe ich ihm mal die Frage gestellt: Jens, wie ist das, willst du mal in den bezahlten Fußball? Da war er gar nicht von begeistert, fast abgeneigt. Dann hat er eine sehr gute Saison bei mir gespielt und wurde nach dem Abstieg der ersten Mannschaft hochgezogen. Dort hat er zwei überragende Jahre gespielt und ist anschließend nach Gladbach gewechselt. So hat er es in wenigen Jahren in die Bundesliga geschafft. Das war schon ein besonderer Spieler, weil er eigentlich gar nicht die Ambition dazu hatte, den Sprung aber trotzdem geschafft hat. Er wohnt jetzt auch noch in Münster, wir sehen uns ab und zu. Das Gegenbeispiel dazu ist Marvin Bakalorz. Er wollte von Beginn an und hat nur davon geträumt, Profi zu werden. Und er hat’s auch geschafft. Diese beiden Beispiele sind mir schon hängengeblieben. Es geht einerseits ums Talent, andererseits um die Einstellung. Alles Drumherum ist ein Zufallsprodukt. Du musst die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort kennenlernen, dann kommst du weiter.

 

Du bist damals als Austauschstudent nach Deutschland gekommen, jetzt lebst du seit vielen Jahren hier in Münster. Welche Rolle hat der Verein für dich in dieser Zeit gespielt?

Eine sehr große Rolle! Durch die Vereinsarbeit habe ich sehr viele Menschen und auch gute Freunde kennengelernt. Ich bin damals mit Ralf Laukötter und Andreas Sornig gestartet, das waren meine ersten Trainerkollegen, unter denen ich gearbeitet habe. Mit Manfred Henning verbindet mich auch viel. In meinen ganzen Jahren ist er der einzige, der über die gesamte Zeit im Verein war. Auch Bernhard Niewöhner hat immer eine große Rolle gespielt. Um diese Menschen herum habe ich viele Trainerkollegen und Fans kennengelernt, sodass ich noch heute mit verschiedenen Fangruppierungen und Stammtischen Kontakt halte. Die Jahre waren wirklich eine Zeit, in der ich viele Menschen kennenlernen durfte und auch davon profitiert habe, das muss man auch ehrlich sagen.

Ganz aus den Augen wirst du den Verein nicht verlieren, dein Sohn fängt nächste Saison als Jugendspieler beim SCP an. Dein Erbe ist also gesichert und wir werden dich auch in Zukunft noch öfter hier sehen?

Auch, wenn mein Sohn jetzt nicht hier spielen würde, bin ich ein Preußenfan, das weiß jeder. Ich fiebere seit Jahren mit und habe mich immer mit dem Verein identifiziert. Preußen ist ein Teil von Münster und ich bin ein glücklicher und stolzer Münsteraner. Ich werde den Verein immer verfolgen und zu den Spielen gehen, aber es macht es natürlich umso schöner, dass mein Sohnemann in der U12 angekommen ist. Dann werde ich mich auch in der Nachwuchsabteilung regelmäßig Blicken lassen.

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