Foto(s): Sebastian Sanders

Spielerporträt: René Klingenburg

Ein schneller Doppelpass, ein souveräner Abschluss, dann drehte Renè Klingenburg in Richtung Preußenblock ab und verschwand wenig später in einer Jubeltraube mit seinen Mitspielern. Es war der Schlusspunkt der starken Auftaktpartie gegen Fortuna Köln, die der Neuzugang des SCP mit zwei Treffern und einem Assist maßgeblich mitbestimmte – ein Auftakt nach Maß, dem weitere Treffer und überzeugende Auftritte folgten. „Für mich steht im Fokus, dass die Mannschaft erfolgreich ist, da sehe ich meine Leistung nur als Bonus. Und über meine Tore will ich gar nicht groß reden, die muss man ganz klar dem Team widmen“, spricht aus dem 24-Jährigen schnell der Teamplayer. „Das Spiel ist für mich abgehakt. Jetzt ist es wichtig, jeden Tag meine Leistung abzurufen und zu malochen – ob im Training oder im Spiel.“

klingeGenau mit dieser Einstellung will René Klingenburg den Weg zurück in die Erfolgsspur finden, die er nach seinem rasanten Start in der A-Jugend zwischenzeitig verlassen hatte. Ein Rückblick. „Als ich in die U19 von Schalke kam, hatte ich ein schwieriges, aber auch lehrreiches erstes Jahr, in dem ich mich erstmal durchbeißen musste. Aber Norbert Elgert hat in dieser Zeit viel mit mir gesprochen, war eine Art Ziehvater für mich und hat mir geholfen, den richtigen Weg einzuschlagen“, erinnert sich Klinge, der schon in seiner Jugendzeit ein extrovertierter Typ war, der auch mal angeeckt ist, noch gut an die Zeit: „Im zweiten Jahr hat der Trainer mir dann sein Vertrauen, trotz Rückschlägen, geschenkt, das konnte ich in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft zurückzahlen.“ Sowohl im Halbfinale als auch im Finale traf das Nachwuchstalent, machte damit auf sich aufmerksam. „Ich hatte alles für den Fußball geopfert, dann kamen Angebote von Bayern und dem AC Mailand. Das habe ich damals nicht richtig verarbeitet“, verlor der Youngster ein wenig den Fokus und verpasste daher den großen Durchbruch.

„Auf einmal spielst du in einem Testspiel vor 60.000 Zuschauern gegen den AC Mailand und hast Robinho als Gegenspieler, den du sonst nur von der Playstation kennst“, führte sein Weg aber damals nicht ins große Rampenlicht, sondern auf Umwegen zu Viktoria Köln. Nach einem Jahr dort nahm sich Klinge eine Auszeit, verabschiedete sich nach Australien. Aus dem Vorhaben, Deutschland länger hinter sich zu lassen, wurde dann eine Zeit, die vor allem zur Selbstfindung diente: „Ich wollte dort runterkommen und den Spaß am Fußball zurückgewinnen. In der Zeit bin ich dann sehr gereift und habe mir die Frage gestellt: Jetzt einen Vertrag in Australien unterschreiben oder zurück nach Deutschland gehen und bei null anfangen?“ Sein Gefühl schickte ihn zurück nach Deutschland, wo er sich bewusst für das Angebot von Rot-Weiß Ahlen entschied. „Ich hätte auch noch nach Schottland gehen können, aber das wollte ich nicht. Hier habe ich parallel dann noch eine Ausbildung angefangen“, wollte der 1,90 Meter große Mittelfeldmann wieder mit beiden Beinen im Leben stehen: „Ich bin erwachsen geworden“, gesteht er dabei mit einem Lächeln ein. Nach einem weiteren Jahr bei Schalke II folgte jetzt der Schritt an die Hammer Straße. Nach knapp drei Wochen als Probespieler war der Vertrag endlich unterschrieben. „Ich war direkt bei der Einkleidung dabei, habe mich sofort als Preußenspieler empfunden. Dann kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt ein kleinerer Rückschlag mit meinem Knie, aber auch da stand der Verein hinter mir. Ich bin froh, jetzt hier zu sein“, will Klinge jetzt seine Qualitäten in der 3. Liga beweisen und den Blick wieder nach oben richten.

Einer, der ihm in allen Phasen seiner Karriere geholfen hat, ist Gott. „Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und Gott spielt in meinem Leben eine große Rolle. Er wird dich für harte Arbeit belohnen.“ Seine heutigen Ansichten zeigen schnell, dass der emotionale Fußballer gereift und erwachsener geworden ist und weiß, auf was es ankommt, damit seine Karriere wieder erfolgreicher verläuft. „Ich bin demütiger geworden und habe stets meine Lehren aus meinen Fehlern gezogen“, hat sich der gebürtige Oberhausener neben dem Platz weiterentwickelt, ist sich auf dem Feld aber treu geblieben: „Ich bin ein Straßenfußballer, wie es sie heutzutage nicht mehr so oft gibt.“

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